Mit großer Neugier und Begeisterung starteten unsere neuen Fünftklässler*innen in das Fach Geschichte, das sie am Gymnasium zum ersten Mal kennenlernen. Gleich zu Beginn stand eine kreative Aufgabe auf dem Programm: „Stell dir vor, du dürftest eine Zeitreise in die Vergangenheit unternehmen, wohin würdest du reisen? Was würdest du dort erleben wollen? Und wen würdest du gerne treffen?“
Die Kinder tauchten mit Fantasie und Forschergeist in die Vergangenheit ein. Von den Pyramiden im Alten Ägypten über römische Arenen bis hin zu Rittern, Entdecker*innen oder historischen Persönlichkeiten war alles dabei. Die Lust auf Geschichte war geweckt!
Im Anschluss machten sich die Schüler*innen mit den vier großen Epochen der Geschichte vertraut und beschäftigten sich mit einer zentralen Frage: Woher wissen wir eigentlich etwas über die Vergangenheit?
Die Antwort darauf: Quellen. Gemeinsam erarbeiteten die Klassen, welche Arten von Quellen es gibt : bildliche Quellen (wie Gemälde oder auch Fotos), schriftliche Quellen (wie Tagebücher oder Briefe), gegenständliche Quellen (wie ein Schmuckstück oder auch ein Alltagsgegenstand) usw. – und wie man diese sinnvoll ordnet.
Mit diesem Wissen im Gepäck brachten die Schüler*innen eigene historische Quellen von zu Hause mit und verfassten dazu mithilfe von vier Leitfragen einen „Quellen-Steckbrief“. Dabei kamen viele spannende und persönliche Gegenstände zusammen, die zum Teil 100 Jahre alt waren ! So erzählte uns eine antike Briefwaage von strengen Postbeamten, die ab 1840 plötzlich genaustens kontrollierten, ob ein Brief auch ja nicht zu viel wog und daher eine weitere Briefmarke benötigten – und dass Liebesbriefe ab diesem Zeitpunkt deutlich kürzer wurden. Eine Brille aus dem Jahr 1870 zeigte, dass scharfes Sehen und Aussehen noch nicht Hand in Hand gingen, da die damaligen Brillenmodelle aus Metall noch wenig modisch waren – und wegen ihren metallenen, runden Form damals daher auch schmunzelnd als „Nasenfahrrad“ bezeichnet wurden. Eine alte Kaffeemühle verdeutlichte uns die mühsame Kurbelei bei der morgendlichen Kaffeeherstellung im Jahr 1900, und dass man, bis man die erste Tasse Kaffee trank, bereits ein „Sportprogramm“ absolviert hatte. So steckten hinter vielen Gegenständen spannende Erkenntnisse ! Die so selbst gestaltete Ausstellung begeisterte die Kinder und machte für sie Geschichte auf ganz persönliche Weise erlebbar!
Nach dem Blick in die Vergangenheit wagten die Kinder einen Sprung in die Zukunft:
„Stellt euch vor, eine Schulklasse steht in 50 Jahren vor einer Ausstellung – die Dinge eures heutigen Alltags zeigt. Welche Dinge würdet ihr ihnen zeigen, damit sie euer heutiges Leben verstehen ?“ Die Schüler*innen wählten mit Bedacht: viele brachten Plastikgegenstände mit (wie eine Packung Haargel oder Seife) mit fester Überzeugung, dass Plastik bald der Vergangenheit angehören würde. Auch, dass es bald keine Münzen und Geldscheine mehr geben und man nur noch bargeldlos bezahlen werde, darüber waren sich die Schüler einig. Viele elektronische Geräte wurden ausgewählt (wie ein Staubsaugerroboter, ein Handy, eine Smartwatch oder Kopfhörer), da auch hier viele technische Neuerungen in Zukunft zu erwarten seien. Daneben wählten die Schüler Gegenstände aus, die sie während ihrer Schulzeit täglich begleiten (wie Textmarker, Bleistifte, Spitzer und Brotdosen) und die in ihrer Freizeit wichtig sind. So wollten die Schüler*innen unbedingt beliebte Bücher ihrer Zeit, wie „Harry Potter“, die „Drei !!!“ oder die „Magische Schule der Tiere“ aufbewahren. Ebenso war es den Schüler*innen wichtig, Spiele ihrer Zeit in die Aufstellung aufzunehmen – so fand eine Gaming Konsole, neben zeitlosen Spieleklassikern wie UNO und Mikado, ebenfalls ihren Platz in der Ausstellung. Zu jedem Gegenstand verfassten die Schüler im Vorfeld eine kurze Begründung, warum genau dieser für die Schüler späterer Generationen wichtig sein könnte, um unsere Zeit zu verstehen.
Die Ausstellung wurde in einer Glasvitrine aufgebaut – sichtbar, offen, als Einladung zum Nachdenken und Vergleichen. Was dieses Projekt besonders macht, ist sein langfristiger Gedanke : So soll alle fünf Jahre eine neue Ausstellung entstehen, um im Laufe der Zeit eine kleine Sammlung von Momentaufnahmen aufzubauen, die sichtbar macht, wie sich unsere Alltagsgegenstände verändern – oder was vielleicht überraschend gleich bleibt.
Und wer weiß, vielleicht wird in 50 Jahren ja wirklich im Geschichtsunterricht über unsere Ausstellung gesprochen, um etwas über unser heutiges Leben zu lernen.
„Denn auch wir schreiben Geschichte – für spätere Generationen.“
















Bericht und Bilder: Frau Doumet